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Das Index-Dilemma von Qwant
Montag, 22.06.2026
Digitales Trauerspiel: Warum die europäische Suchmaschine Qwant (noch) keine echte Befreiung ist
Der jüngste Anthropic-Vorfall hat bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht. Er hat mich mit einer brennenden Frage zurückgelassen: Was kann Europa eigentlich in der digitalen Welt? Voller Neugier und mit der Hoffnung auf ein Stück digitale Souveränität habe ich mich auf die Suche gemacht. Mein Testobjekt: Qwant, die französische Suchmaschine, die sich so gerne als die europäische, datenschutzfreundliche Alternative zu Google präsentiert. Die EU feiert sie sogar so sehr, dass das Europäische Parlament Qwant zum Standard-Suchtool auf seinen Rechnern gemacht hat.
Die Antwort auf meine Recherchen ist allerdings ernüchternd. Schlimmer noch: Sie ist verdammt traurig.
Das Webseiten-Dilemma: Indexieren? Fehlanzeige.
Als Webseitenbetreiber oder Digital Creator stellt man sich früher oder später eine fundamentale Frage: Wie bringe ich meine Inhalte in die Suchmaschine? Kann ich meine Seite bei Qwant direkt indexieren lassen?
Die bittere Antwort lautet: Nein.
Es gibt schlichtweg keine Möglichkeit, eine deutsche oder europäische Plattform direkt anzusteuern, um eine Website in den Qwant-Index aufzunehmen. Einreichen, Verifizieren, Sitemaps verwalten – das funktioniert im Netz tatsächlich nur über Google oder Microsoft Bing. Das Problem ist nicht nur lokal, es ist global. Wir sind gefangen im Duopol aus Mountain View und Redmond.
Der Blick hinter die Fassade: Qwant tanzt nach Microsofts Pfeife
Wenn man genauer recherchiert, woher Qwant seine Suchergebnisse überhaupt bezieht, blickt man direkt in den Abgrund der europäischen Tech-Abhängigkeit.
Die Basis: Qwant basierte jahrelang fast vollständig auf der Technologie und dem Index von Microsoft Bing.
Das Datenschutz-Problem: Wenn eine europäische Suchmaschine unter der Haube die Infrastruktur eines US-Giganten nutzt, wird das Versprechen von "echtem" europäischem Datenschutz schnell zur Farce.
Die Sackgasse: Weil Qwant keinen eigenen vollständigen Web-Crawler füttert, gibt es eben auch keine europäische Konsole, um Webseiten anzumelden. Man muss den Umweg über die Bing Webmaster Tools gehen. Wer bei Qwant gefunden werden will, muss sich also erst recht bei Microsoft registrieren.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Das "Staan"-Projekt
Um fair zu bleiben: Europa hat das Problem zumindest erkannt. Qwant hat sich kürzlich mit der deutschen Suchmaschine Ecosia zusammengetan (unter dem Namen European Search Perspective). Gemeinsam bauen sie seit Kurzem an einem eigenen europäischen Suchindex namens Staan. In Frankreich und Deutschland werden mittlerweile auch schon die ersten Suchanfragen über diesen eigenen Index verarbeitet.
Das ist ein netter Anfang für die Zukunft. Aber für das Hier und Jetzt ändert es nichts.
Mein Fazit: > Qwant ist als reiner Nutzer für alltägliche Suchen ganz nett, wenn man Google keine Daten schenken will. Doch sobald man tiefer gräbt und die digitale Infrastruktur dahinter betrachtet, bleibt die Erkenntnis deprimierend. Solange wir Google oder Bing angebettelt müssen, damit unsere Webseiten überhaupt im europäischen Raum gefunden werden, hat Europa im Tech-Sektor seine Hausaufgaben nicht gemacht. Die Abhängigkeit bleibt – und sie ist erschreckend real.
Googles neue Privatsphäre-Einstellung: Echter Schutz oder genialer Ablenkungs-Schachzug?
Montag, 22.06.2026
Wer im Internet unterwegs ist, hinterlässt Spuren – oft unfreiwillig. Während europäische Tech-Alternativen noch immer damit kämpfen, überhaupt eine grundlegende eigene Infrastruktur aufzubauen, werfen uns die US-Konzerne immer neue, smarte Features hin, um uns das Gefühl von Sicherheit zu geben. Google hat beispielsweise vor kurzem seine Privatsphäre-Einstellungen überarbeitet und die Funktion "Ergebnisse über dich" (Results about you) fest integriert.
Doch was taugt das Tool wirklich, und wo liegt der Haken?
Wie funktioniert "Ergebnisse über dich"?
Das Ganze funktioniert erstaunlich einfach und automatisiert direkt über das Google-Konto:
Der automatisierte Scan: Google durchsucht das Web kontinuierlich nach deinen sensiblen persönlichen Daten – wie deiner privaten Telefonnummer, deiner E-Mail-Adresse oder deiner physischen Anschrift.
Das Benachrichtigungs-System: Tauchen diese Daten auf einer öffentlich zugänglichen Webseite in den Suchergebnissen auf, wirst du in einem zentralen Privatsphäre-Dashboard sofort darüber informiert.
Die Löschung per Klick: Mit nur wenigen Klicks kannst du direkt aus diesem Dashboard heraus beantragen, dass Google diese spezifischen Suchergebnisse aus seinem Index entfernt.
Klingt im ersten Moment nach einem echten Meilenstein für den persönlichen Datenschutz und die digitale Selbstbestimmung, oder?
Das große Dilemma: Die Illusion der Kontrolle
Das Feature zeigt perfekt, warum die US-Riesen ihren enormen Vorsprung behalten: Sie bieten echten Komfort. Aber man darf dabei nicht die Augen vor der Realität verschließen.
Hier ist der Haken an der Sache: Google bietet uns ein mächtiges Werkzeug, mit dem wir kontrollieren können, was andere Menschen über uns im Netz finden können. Das ist gut und im Falle von Stalking oder Doxxing extrem wichtig.
Gleichzeitig ändert das jedoch absolut nichts daran, was Google selbst über uns weiß. Während wir uns darüber freuen, ein Suchergebnis zu löschen, sammelt der Konzern im Hintergrund über unsere Web- und App-Aktivitäten, Standorte und YouTube-Suchen weiterhin das detaillierteste Nutzerprofil der Welt.
Fazit: Komfort schlägt Souveränität
Am Ende ist diese neue Funktion ein genialer Schachzug für die Nutzerbindung. Sie gibt uns das Gefühl von Kontrolle in einer Welt, in der wir die Kontrolle über unsere Daten längst verloren haben. Solange datenschutzfreundliche Alternativen solche Features nicht bieten können – oder wie im Fall von europäischen Suchmaschinen gar nicht erst die technologische Basis dafür besitzen –, bleibt der Wechsel zu Google-Alternativen für viele Nutzer schlicht unkomfortabel.
Der Fall Anthropic
Freitag, 12.06.2026
Wer die Nachrichten verfolgt hat, hat sicher mitbekommen, dass US-Präsident Trump eine Verfügung erlassen hat, woraufhin Anthropic seine neuesten Claude-Modelle abschalten musste. Das zeigt mir einmal mehr, wie unberechenbar die US-Tech-Riesen und deren Politik sein können. Genau aus diesem Grund habe ich mich in den letzten Wochen intensiv damit beschäftigt, nach Websitebaukästen aus Deutschland und der EU zu suchen. Mein Entschluss steht fest: Ich werde mich ab jetzt rein auf Jimdo aus Hamburg und Framer aus Amsterdam spezialisieren, um auf europäische Stabilität und Qualität zu setzen.